Praxislogo Homepage

Arthrose Diagnose & Behandlung

Dr. Dieter Müller
FTA für Kleintiere, Chirurgie, Augenheilkunde

Diagnose – Arthrose

Als Arthrose wird die Abnutzung bzw. der Verschleiß von Gelenken bezeichnet. Die Gelenke können auch „wetterfühlig" sein. Morgens dauert es eine Zeit lang, bis die Gelenke wieder voll bewegt werden können.
Arthrose muss kein unabänderliches Schicksal sein, Sie können als Tierbesitzer einiges dafür tun, um die Gelenkschmerzen zu lindern – mehr als Sie vielleicht denken.

Gelenke sind genial konstruierte Knochenverbindungen

Bei jeder Bewegung sind die Gelenke beteiligt, dabei sind sie hohen Belastungen ausgesetzt. Einige Gelenke wie z. B. das Schulter-, Ellbogen- Hüft- und Kniegelenk tragen die Hauptlast des Körpergewichtes. Kein Wunder, wenn im Laufe der Zeit natürliche Abnutzungserscheinungen auftreten.


Knorpelschaden durch natürliche Abnutzungserscheinungen

Damit die Bewegungen geschmeidig und schmerzfrei sind, greifen verschiedene Mechanismen ineinander.
Muskeln, Bänder, Sehnen und Gelenkkapsel sorgen für Halt und Beweglichkeit der Knochen

Der Gelenkknorpel

Gelenkknorpel und Gelenkflüssigkeit, die Synovia, sind für die Polsterung und Gleitfähigkeit des Gelenkes verantwortlich.


Gesundes Kniegelenk mit elastischem Knorpel

Die Knochen eines Gelenks sind mit glatten, elastischen Knorpelgewebe überzogen. Zwischen den Gelenkknorpeln befindet sich die Gelenkflüssigkeit. Sie hat folgende Aufgaben

  • Sie schmiert das Gelenk
  • Sie schützt die Knorpeloberfläche vor Abrieb
  • Sie versorgt den Gelenkknorpel mit Nährstoffen.

Bandapparat des Kniegelenkes - häufig sind Kreuzbandrisse die Ursache einer Arthrose

Arthrose – eine Folge von Belastung und Alterung

Die Arthrose ist eine natürliche Folge des Alterungsprozesses, doch auch schon bei jungen Tieren kann sie aufgrund bestimmter Risikofaktoren (Wachstumsstörungen, erbliche Veranlagung) entstehen.
Entscheidend für das Funktionieren der Gelenke ist ein stetiger Wechsel zwischen Belastung und Entlastung, damit Gelenkflüssigkeit in den Gelenkspalt gepumpt wird.
Ist diese Balance gestört, wird der Gelenkknorpel nicht mehr optimal mit der Gelenkflüssigkeit versorgt. Die Arthrose nimmt Ihren Anfang.

Verlauf der Arthrose

Durch falsch erhöhte Belastung oder unzureichende Versorgung des Knorpels wird dieser aufgerauht. Winzige Knorpelteilchen werden abgerieben. Später wird sogar der Knochen geschädigt. Gleichzeitig verändert sich die Gelenkschmiere in ihrer Zusammensetzung; sie wird dünner und weniger gleitfähig.


Schädigung des Gelenkknorpels – Freisetzung von Entzündungsmediatoren

Da der Knorpel keine Nerven besitzt, ist anfangs wenig davon zu spüren. Schmerzen treten erst auf, wenn umliegendes Gewebe betroffen ist.

Typische Arthrosebeschwerden sind

  • Anlaufschmerzen nach Ruhepausen
  • Gelenksteifigkeit
  • verminderte Aktivität des Tieres

Aktivierte Arthrose

Wenn abgeriebene Knorpelteilchen zu einer Entzündung führen, die sich weiter ins Gewebe ausbreitet, spricht man von einer aktivierten Arthrose.


Die Arthrose des Gelenkes schreitet fort sog. aktivierte Arthrose

Typische Symptome sind

  • Wärme
  • Schwellung
  • Gelenkerguss
  • Lahmheiten unterschiedlichen Grades
  • Schonhaltungen
  • Lecken oder Benagen des Gelenkbereiches

Risikofaktoren

Die Arthrose ist zwar Teil eines normalen Alterungsprozesses, doch kann der Verschleiß durch Risikofaktoren schneller fortschreiten.
1.) Übergewicht
Jedes Kilogramm zu viel bedeutet eine ständige Mehrbelastung für die Gelenke
2.) Fehlstellungen
Bei ausgeprägten Fehlstellungen, etwa bei X- oder O-Beinen oder bei einer Hüftfehlstellung wird das Gelenk einseitig belastet


Im beschädigten Knorpelbereich liegt der subchondrale Knochen frei

Innovative Arthrosebehandlung

Eigentlich kann Gelenkverschleiß nicht rückgängig gemacht werden. Dennoch kann in vielen auch fortgeschrittenen Fällen nicht nur eine deutliche Linderung sondern auch vollständige Schmerz- und Beschwerdefreiheit erzielt werden.
Am Anfang steht jedoch die Diagnostik um das Ausmaß und den Schweregrad der Arthrose zu beurteilen:

1.) sorgfältige fachärztliche Lahmheitsuntersuchung

2.) Abtasten, Fühlen und Beweglichkeitsprüfung

3.) Röntgen

4.) Gelenkspiegelung (Arthroskopie)


Arthroskopie: Knorpelschaden

Bei der Arthroskopie wird in einer Sitzung nicht nur die Diagnose gestellt sondern anschließend das erkrankte Gelenk auch gleich versorgt. Gelockerte oder freie Knorpelbestandteile und gewucherte Zotten der Gelenkinnenauskleidung (Synovialmembran) werden schonend entfernt.

Arthroskopie: Mit dem Shaver werden lose Knorpelbestandteile entfernt

Anschließend wird das Gelenk durch die Endoskopiekanülen gründlich gespült und damit alle entzündlichen Substanzen und Zellfragmente entfernt. Zum Abschluss wird das Gelenk mit einem Lokalanästhetikum und einem entzündungshemmenden Medikament versorgt. Die Arthroskopie erfordert zwar eine Narkose, doch ist diese durch moderne Narkoseverfahren und genaue Überwachung und Beatmung mit Sauerstoff nicht nur sicher sondern auch wenig belastend. Die Patienten sind unmittelbar nach der Arthroskopie wieder wach und gehfähig (ambulantes Operieren).

Hyaluronsäure – eine etablierte Substanz

Hyaluronsäure ist eine Substanz, die von Natur aus im Körper, insbesondere in den Gelenken vorkommt. Sie verbessert dort die Gleitfähigkeit der Gelenkflüssigkeit und trägt damit auch zur optimalen Nährstoffversorgung des Knorpels bei. Sie wird bei uns schon seit vielen Jahren medizinisch genutzt. Wissenschaftliche Forschungen belegen die hervorragenden Eigenschaften bei Arthrose.

Gelenkinjektion Ellbogengelenk
Gelenkinjektionen im Ellbogengelenk

Bei der Gelenktherapie wird die Hyaluronsäure in den Gelenkraum injiziert. Sie verteilt sich von allein auf der gesamten Knorpeloberfläche. Dort ergänzt bzw. ersetzt sie die krankhaft veränderte Gelenkflüssigkeit und regt zusätzlich die körpereigene Hyaluronsäureproduktion an.
Wir verwenden ausschließlich biotechnologisch gewonnene Hyaluronsäure, die sich durch hohe Reinheit und besonders gute Verträglichkeit auszeichnet.


Gelenkinjektion - Schultergelenk

Die Behandlung mit Hyaluronsäure ist ein für erfahrene Ärzte einfaches  etabliertes und in der täglichen Praxis bewährtes Verfahren. Durch örtliche Betäubung kann bei ausgeglichenen Tieren direkt in den Gelenkraum injiziert werden. Diese Spritze ist in der Regel nicht schmerzhafter als eine intramuskuläre Injektion. Bei unruhigen oder aufgeregten Patienten muss vor der Gelenkinjektion auch eine Sedation erhalten, die hinterher wieder aufgehoben werden kann.

Die Arthrose Kur

  1. Empfohlen wird die Injektion von Hyaluronsäure und eines knorpelschützenden Kortisonpräparates direkt in das betroffene Gelenk. Die positiven Wirkungen, nämlich Schmerzfreiheit und Gelenkbeweglichkeit, setzen in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage ein und halten in der Regel recht lange an. Gegebenenfalls ist die Gelenkinjektion nach 4 Wochen noch einmal zu wiederholen. Der besondere Vorteil: Die Hyaluronsäure und das Kortison entfalten ihre Wirkung ausschließlich im Gelenk. Eine Belastung des Gesamtorganismus findet nicht statt.
  2. Zusätzlich empfehlen wir einmal in der Woche die subkutane Injektion von Cartrophen® über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Cartrophen® hilft bei der Regeneration und wirkt sich günstig auf den Knorpelstoffwechsel aus.
  3. Glukosaminoglykane wirken synergistisch und werden über einige Wochen am besten 3 x täglich ins gewohnte Futter gegeben.
  4. Kortison-freie Entzündungshemmer (NSAIDs) haben sich zusätzlich sehr bewährt. Die modernen Wirkstoffe wie z. B. Meloxicam oder Carprofen werden von den Tieren problemlos aufgenommen. Die Verträglichkeit ist gut, innere Organe werden nicht belastet und Schleimhautreizungen sind bei den heutigen Präparaten fast nicht mehr zu beobachten. Eine Wirksame Behandlung erfordert eine Langzeitgabe; bei chronischer Arthrose mindestens über drei Wochen. Hier werden oft Fehler gemacht und die Entzündungshemmer bereits nach wenigen Tagen abgesetzt, weil die akuten Beschwerden verschwunden sind. Zur Beruhigung der gereizten Innenauskleidung des Gelenkes fordern wissenschaftliche Studien eine mindestens dreiwöchentliche Gabe um Rückfälle zu vermeiden.

Arthrose und körperliche Aktivitäten

Manche Tierbesitzer glauben, sie müssten nun das Gelenk ihres Hundes schonen. Das ist falsch. Wird das Gelenk nicht bewegt, greift der degenerative Prozess noch weiter um sich. Zudem verkümmern die Muskeln. Mäßige aber regelmäßige Bewegung ist deshalb wichtig. Extreme Belastungen wie z. B. im Hundesport oder in der Schutzhundeausbildung sind jedoch zu vermeiden. Schwimmen und Unterwassermassagen oder Aqua-Fitness erweisen sich oft als Wohltat, die Gelenke werden im Wasser entlastet.